Storytelling

Let it grow – Warum Körperbehaarung kein Tabuthema mehr sein sollte

Ich sitze in der U-Bahn, lese ein Buch, als die Frau vor mir meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie stand direkt vor mir, als sie ihre Hände hob sah ich, dass sie eine Achselbehaarung hat. Sofort dachte ich mir, okay, irgendwie komisch. Doch sie veränderte etwas in mir. Sie veränderte meine Sichtweise auf ein wichtiges Thema, mit dem wir Frauen noch immer zu kämpfen haben.

Als ich in die Pubertät kam, und somit auch mein Haarwuchs stetig anstieg, rasierte ich mir jedes einzelne Haar weg. Denn es gehört sich einfach so für eine Frau. Frauen und Körperbehaarung? Ein No-Go in der heutigen Gesellschaft. Ich rasierte mich nun seitdem, ohne irgendwie nachzudenken, was ich selber davon halte.

Diese Frau in der U-Bahn, die voller Selbstsicherheit ihre unrasierten Arme in die Luft schwang, regte mich zum denken an. Ich stellte mir die Frage: Warum rasiere ich mich eigentlich? Um mir zu gefallen, oder um anderen zu gefallen? Ich sehe mich im Alltag, wenn ich einen extremen Stress habe, und bemerke; Oh shit, ich habe meine Beine nicht rasiert. Schnell noch rasieren bevor ich das Haus verlasse. So kann man ja als Frau nicht rausgehen.

Bis vor 2 Jahren lebte ich mit dieser Einstellung. Bis ich mich fragte, was ich persönlich eigentlich mag. Ich rasiere mich nach wie vor noch, aber nicht mehr jeden Tag. Ich mache kein Drama daraus, wenn ich mich schon 2 Wochen nicht rasiert habe und plötzlich ein Event ansteht. Denn wer muss sich denn wohl fühlen? Ich und sonst niemand. Wer muss sich selbst gefallen? Ich, denn ich lebe nicht, um anderen zu gefallen.

In den 60er und 70er Jahren waren Körperbehaarungen etwas, worauf man stolz war und gegen das politische Statement der sexuell befreiten Weiblichkeit kämpfte. In der jetzigen Gesellschaft werden Achsel,- Scham,- und Beinbehaarungen als „ekelhaft“ und „unweiblich“ empfunden. Dazu kann ich nur eines sagen: Es ist unser Körper. Lasst uns mit ihm tun, was immer zur Hölle wir wollen. Lasst uns nach dem gleichen Motto wie vor 40 Jahren ankämpfen und es wieder normal werden lassen! Der weibliche Körper ist in allen Facetten wunderschön – ob mit oder ohne Körperbehaarung. Und wenn du dich als Frau wohler fühlst, wenn du keine Haare an manchen Stellen hast, dann ist das ja ebenfalls auch gut so.

Manche empfinden Körperbehaarungen bei Frauen „unhygienisch“. Warum nur bei Frauen? Männer dürfen sich überall wo es geht Haare wachsen lassen, und manche finden das attraktiv. Für Männer ist es so etwas normales. Warum dann nicht für uns Frauen auch? Wir waschen uns ja trotzdem. Es ist nichts anderes.

Der Unterschied zwischen früher und heute ist der Drang zur Perfektion. Man sieht es bei Models in Magazinen. Es muss alles retuschiert werden. Und wehe es wird ein Haar gefunden.

Die heutige Generation wächst genau mit diesem Stigma auf. Ist es nicht Zeit, diesen endlich (wieder) zu durchbrechen?

One Comment

  • Dilara Kaya

    Hallo Tanja. Ich finden deinen Beitrag wirklich sehr zum Nachdenken anregend! Ich finde deine Sichtweise und deine Gedanken toll. Da ich finde, dass Frauen leider zu oft unterschätzt werden, habe ich einen neuen Beitrag [https://bewithmeallnightlong.wordpress.com/2020/04/11/warum-werden-frauen-zu-oft-unterschatzt/] auf meinem Blog hochgeladen. Ich habe ebenfalls deinen Beitrag angesprochen und verlinkt, da dass zu meiner Denkweise passt!
    Ich hoffe, dass wir Frauen irgendwann einfach so sein können, wie wir wollen, ohne dass wir uns für irgendwas rechtfertigen müssen.

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