Storytelling

Oh, bring‘ mich heim und lass‘ die Schmerzen weniger werden

„Take me home, country roads“, schallt es aus meinen Kopfhörern während ich diesen Beitrag schreibe. Weil es ein wenig Heimat ist. Weil es mich an zuhause erinnert. Weil es mich an meine Freunde erinnert. Und während ich dieses Lied höre, habe ich Sehnsucht. Sehnsucht nach meiner Heimat.

Es ist ein tolles Gefühl, den Mut zu haben aus seiner „Komfortzone“ zu brechen. Es konnte ja keiner wissen, dass ein Virus die ganze Welt flach legt. Es konnte ja keiner wissen, dass wichtige Menschen und Tiere aus meinem Leben gerissen werden. Es konnte ja keiner wissen, dass ich keine Möglichkeit habe, nachhause zu kommen.

Aber das ist der Preis den man zahlt, wenn man in ein anderes Land zieht. Wenn irgendetwas passiert, kann man nicht einfach kurz vorbeikommen.

Ich konnte mich nicht von meiner Katze verabschieden. Konnte ihn nicht begleiten und seine Pfote bis zum letzten Atemzug halten. Obwohl ich in dieser Woche eigentlich nachhause geflogen wäre. Ich vermisse ihn jeden Tag. Keine Ahnung ob der Schmerz des Verlustes irgendwann Mal weniger wird. Alles was ich hatte als ich nach 8 Monaten endlich wieder nachhause konnte, war sein Grab. Vor dem ich jedes Mal wenn ich nun davor sitze, in Tränen ausbreche. Mich jedes Mal entschuldige. Und jedes Mal bricht mein Herz etwas mehr.

Als mein Opa im Krankenhaus lag habe ich noch seine Hand gehalten. Fest genug, als ob ich es spürte, dass es das letzte Mal gewesen ist.

Alles was mir von ihm blieb ist das Grab, 4 Monate später. Als ich endlich nachhause fliegen konnte. 4 Monate zu spät.

Wie gerne hätte ich mich verabschiedet. Ein aller letztes Mal seine Hand gehalten. Mit ihm Zeit verbracht und über alte Zeiten gelacht. Aber das kann ich jetzt nur mehr am Friedhof. Wie gerne hätte ich meine Familie in dem Moment um mich gehabt. In der wir alle gemeinsam um den Verlust trauern und uns trösten. Aber ich hatte nur mich.

Kurze Zeit später verstarb mein Onkel. Mit dem ich zwar nie wirklich Kontakt hatte. Trotzdem war es ein seltsames Gefühl.

In mir entwickelte sich fürchterliche Angst. Angst, dass ich noch mehr Menschen verliere. Angst noch jemanden der mir nahe steht und den ich liebe, zu verlieren. Angst, wieder nicht nachhause zu können um Abschied zu nehmen.

Das erste Weihnachten und auch Silvester alleine. Ohne Familie und Freunde. In einer Stadt, 800 km entfernt. Ohne die Möglichkeit nachhause zu können. Dank der Technologie konnte ich trotzdem mehr oder weniger dabei sein. Man macht einen Videoanruf und denkt sich jedoch währenddessen; Der Platz der da frei ist, das wäre meiner. Man hört Familienmitglieder. Man sieht die Freunde, die feiern. In diesem Moment hofft man nur, dass so etwas nie wieder vorkommt. Und man nächstes Jahr wieder an seinem Platz sitzen kann. Ohne Videoanruf. Ohne Tränen. Ohne das Gefühl von Leere und Schmerz.

Und so sage ich immer wieder zu mir selber; Oh' bring mich heim und lass die Schmerzen der Verluste einfach weniger werden..

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